MYSTIK
IN RUSSISCHER KUNST ANFANG DES XX JAHRHUNDERT



 
  Vorwort
  Meine sehr geehrte Damen und Herren. Ich möchte Sie ganz herzlich begrüßen und freue mich über Ihre Interesse an dem Maler Wassily Wassiliewitsch Kandinsky. Schon lange wollte ich mich mit dem Zusammenhang zwischen Mystik und Kunst auseinandersetzen. Da ich mich schon lange mit dem schopferischen Werk von Kandinskij auseinandersetze, möchte ich den Versuch unternehmen an seinem Werk den Zusammenhang zwischen Mystik und Kunst darzustellen.
In der letzten Zeit habe ich da zu viel Material gesammelt und systematisiert. Das Ergebnis möchte ich Ihnen vorstellen. Heute, mit Beginn des XXI. Jahrhunderts ist das Thema, meiner Meinung nach, immer noch sehr interessant. Auch Kandinsky erlebte eine Jahrhundertwende. Auch er brachte seine Eindrücke und Erlebnisse von XIX.Jahrhundert in das XX.Jahrhundert mit.

Erstens, als Künstler sehe ich viele Probleme anders wie ein Kunstwissenschaftler. Meistens ist es so, das Ihre Vorstellungen von einem Maler mich nicht befriedigen. Ich glaube, sie übersehen etwas ganz wichtiges und beschränken sich nur auf`s Äußere.
Zweitens, die sogenannte „Schöpfungsküche“ eines Malers, die Vorbereitungsarbeiten interessieren mich viel mehr, da sie tiefer und besser die Persönlichkeit eines Malers darstellen, als das Kunstwerk selbst.
Drittens, eigene Beobachtungen als Maler, viele Gespräche mit Bekannten und Kollegen. All das half mir besser den Schaffensablauf und die Persönlichkeit des Kunstlers zu verstehen.
Und so kam es, dass ich nach so einer Unterhaltung überlegte, was macht ein Maler, wenn er vor der Leinwand steht, was passiert mit ihm, bevor das Bild auf der Leinwand entsteht? Und das treffende Wort dafür wäre - er quält sich (er beschwört, meditiert, betet, vollbringt ein Ritual, eine Orgie, stirbt und wird neu geboren usw.). Dabei ist nicht wichtig, was auf der Leinwand entsteht, sondern das, was so mit dem Künstler währenddessen passiert.
Meinen Vortrag möchte ich damit beginnen, indem ich über die Persönlichkeit und die Werke eines großen russischen Malers erzähle. Er stammt aus einer Familie eines ehemaligen sibirischen Verbannten, dessen Großmutter eine Mongolin war. Als Künstler entwickelte er sich in Deutschland. Der Name dessen Künstlers ist Wassily Wassiljewitsch Kandinsky (1866 - 1944).
Irgendwann, während meiner Analyse, wurde mir klar, das der hoch intelligente Wassily Kandinsky ein Schamane in der Kunst ist, und das dies kein Nachteil ist, sondern eine Ehre, viel mehr eine Errungenschaft. Wie Levi Strauss treffend sagte:

„Der Unterschied zwischen einer Psychoanalyse und einer Beschwörung, liegt im Grunde darin, dass in der gegenwärtigen technischen Zivilisation nur einzelne Menschen sich Zeit für Mythologie leisten können“.(2)

Es gelang ihm, den entblössten Nerv der Schaffenskraft in seinen Werken dar-zustellen. Aber andererseits, nach Kants traditionellen Lehre, müssten die empi-rischen Erfahrungen im Rahmen der traszendentaler(3) Methode aufgehoben werden, weil man auf deren Grundlagen unmöglich einigermaßen zuverlässiges Wissen erwerben kann.
„Jeden Gegenstand können wir nicht anders als nur mit
Hilfe der Kategorien vorstellen; wir können einen
vorstellbaren Gegenstand nicht anders erkennen als nur
mit Hilfe des Sehens, das den Kategorien entspricht“.(4)

Und weil die Wissenschaft bis zum heutigen Tag auf Kants traditionellen Erkenntnistheorien beruht (die Vorlesung findet ja an einer Uni und nicht im Kloster statt), habe ich eine schwere Aufgabe auf mich genommen, im Rahmen dieser Tradition (die meines Erachtens ein wenig einseitig ist) auf einem wissenschaftlichen Niveau die magischen Impulse zu analysieren und dadurch zwischen den beiden Begriffen eine logische Verbindung darzustellen. Anders gesagt, das Wort Mystik ist genauso ein natürlicher Teil unseres Lebens wie auch jede andere menschliche Entwicklung.

MYSTIK
IN RUSSISCHER KUNST ANFANG DES XX JAHRHUNDERT

Teil 1.

Kulturell - politische Lage in Russland Ende des XIX - Anfang XX des Jahrhundert

In der zweiten Hälfte des XIX Jahrhundert - Anfang des XX Jahrhundert war Russland eins der führenden wirtschaftlichen Imperien in der Welt. Die Jahre der Herrschaft des Monarches Alexander des II (1818 - 1881) waren von politischem, wirtschaftlichen und kulturellem Aufschwung gekennzeichnet. Dank seiner progressiven Reformen: Bodenreform, Militärreform, Gerichtsreform, Aufhebung der Leibeigenschaft usw. trat Russland ganz sicher den Weg der kapitalistischen Entwicklung an. Die sehr schnell entstandenen neuen Geschäftsbeziehungen, neuen wissenschaftlichen Entdeckungen, sowie die politischen Aktivitäten unter der Bevölkerung führten dazu, dass sich auch ein neues geistiges Umdenken der alten religiösen Dogmen entwickelte. Zu dieser Zeit machte sich ein steigendes Interesse der russischen Gesellschaft am orthodoxen Glaubensbekenntnis, dem Christentum überhaupt, Religionen anderer Völkern, und der Geheimlehre (Mystik) bemerkbar. Die alte Erläuterung der Bibel reichte nicht mehr aus, es entstand das Bedürfnis an einer neuen Entwicklung und Erklärung der biblischen Ideen. Und so entwickelte sich eine Reihe religiöser Philosophen, unter anderen Pavel A. Florensky (1882 - 1937?), Nikolaj A. Berdjaew (1874 - 1948), Professor Sergej N. Bulgakow (1871 - 1944), die es versuchten, einige religiöse Thesen neu zu erklären. Die Suche nach einem tieferen, mystischen Sinn der Glaubenslehre, der ursprünglichen Bedeutung der christlichen Rituale führte dazu, dass einige Künstler und Forscher anfingen die Lehre von Tora, Kabbala und Kabbalismus zu studieren, zum Beispiel, P. A. Florensky, die Dichter Andrej Bely (Pseudonym, Boris N. Bugaew (1880 - 1934) und Welimir Chlebnikow (1885 - 1922).
Andere, die mit der europäischen religiösen Philosophie nicht zufrieden oder von ihr enttäuscht waren, suchten die Wahrheit in anderen altertümlichen Lehren des Ostens, vor allem in Indien. Zum Beispiel Elena Petrowna Blavatsky (1831 - 1891), die Gründerin des theosofitischen Vereins (New Jork, 1875), der Maler Nikolaj K. Rörich (1874 - 1947) - Gründer des „Rerich`s Vereins“, der in vielen Länder vertreten war. Seit 1920 lebte Rerich ständig in Indien. Oder Georgij Iwanovitsch Gurdshiew (1866 - 1949) und sein Schüler Peter Demjanowitsch Uspensky. Die Aufhebung der kirchlichen Zensur und die Religionsfreiheitsgesetzes im Jahre 1897 ermöglichten die Aktivierung und Legalisierung der religiösen Vereine, Sekten, Orden und Kränzchen, die früher von der russischen orthodoxen Kirche verboten waren. Es wurden Bücher publiziert, in Zeitungen und Zeitschriften spricht man offen über seine religiösen Meinungen. Weil eben die Maler, Musiker und Dichter sehr empfindsam auf jede Art von Erneuerungen reagieren, haben sie sich als erste zu dem religiösen Tauwetter geäußert.
Unter den oben genannten Reformen von Alexander dem II. gab es auch einen Erlaß, der den nach Sibirien Verbannten erlaubte, in ihre Heimat zurückzukehren. Unter dieses humane Gesetz fiel auch die Familie des Vaters von Wassily Wassiljewitsch Kandinsky, die zu diesem Zeitpunkt in dem kleinen Ort Kjachta, unweit von der mongolischen Grenze, lebte. Dort führten sie erfolgreich ein Teehandelsunternehmen.
Kandinskys Vater zieht nach Moskau um und heiratete die Moskauer Schönheit Lydia Ticheewa. Am 4. Dezember 1866 kam der Sohn Wassily zur Welt.

Eine genaue Biografie finden Sie im Anhang zu dieser Broschüre. An einige seine Lebensabschnitte wenden wir uns im Laufe des Vortrages.

Teil 2.

Wassily Kandinsky - die Suche nach dem geistigen Sinn.

Der Maler Wassily Wassiljewitsch Kandinsky ist beispielhaft für seiner Zeit. Er ist ein Absolvent der Juristischen Fakultät an der Moskauer Universität, Mitglied des „Vereins für Naturkunde, Ethnographie und Anthropologie“. Im Alter von 30 Jahren beschloss er, die erfolgreich begonnene Karriere eines Juristen und Wissenschaftlers aufzugeben und sein Leben der Kunst zu widmen. Wie der Künstler selbst erklärte, waren es mehrere Begebenheiten, die ihn zu diesem Entschluß veranlaßt haben. Eine davon war die Entdeckung des französischen Physikers Bequerel (Antonie Henri Bequerel /1862 - 1902) der natürlichen Radioaktivität der Uransalze(1896). Von diesem Zeitpunkt an wurde offensichtlich, dass das Atom ein aufgeladenes Partikelsystem ist. Bis zu dieser Entdeckung hat man es als unteilbar bezeichnet. In seinem Buch „Stufen“ schrieb Kandinsky:

„...die Gliederung des Atom habe ich seelisch als Gliederung der ganzen Umwelt empfunden. Plötzlich stürzten dicke Wände ein. Alles wurde unzuverlässig, wackelig und weich. Es hätte mich nicht gewundert, wenn ganz plötzlich sich ein Stein vor mir aufgeblasen hätte und sichtbar würde“.(5)

In diesem Zitat spürt man die tiefe Enttäuschung des ehemaligen Gelehrten. Die Wissenschaft, die die Menschheit immer mit ihrer Unbestreitbarkeit überzeugt hat, wurde zum Opfer ihrer eigenen Forschungen. Die von Kandinsky beschriebenen Erlebnisse wurden sehr genau in den Gemälden des berühmten Künstlers Salvador Dalí(*) dargestellt. Und zwar die Unzuverlässigkeit im Bau der Materie, die die Umwelt in eine fließende anscheinend natürliche Deformation umwandelt.
Zum zweiten, der Besuch der Impressionistenausstellung in Moskau, wo ihn das Gemälde „Heuschuppen“ von Cloude Monet / 1840 - 1929), überwältigte. Darüber schreibt Kandinsky:
„Ganz plötzlich sah ich ein Gemälde. Es war ein
Heuschuppen. Das Gemälde konnte ich in dem
Ausstellungskatalog nicht identifizieren. Das
machte mich stutzig. Ich war immer der Meinung,
ein Maler darf sich nicht erlauben, undeutlich zu
sein“.(6)

Das dritte Ereignis, das ihn dazu bewegte, sein Leben der Kunst zu widmen, war ein Besuch der Oper von Richard Wagner (1813 - 1883) „Lohengrin“ im Moskauer Hoftheater. Seine Erlebnisse beschreibt er folgendermaßen:

„Alle Farben erschienen mir wie Gespenster, ich
hatte das Gefühl, sie würden sich vor meinen
Augen erheben. Wilde, fast wütende Linien
entstanden vor mir“(7).

Mit Musik fing er an sich in Odessa zu beschäftigen, wohin seine Eltern wegen des schlechten Gesundheitszustandes seines Vater umzogen. Der kalte Winter bekam ihm nicht. Im zehnjährigen Alter nahm Wassily Kandinsky Flügel- und Violoncellounterricht (nach anderen Angaben auch Geigeunterricht).
In diesem Fragment wird Kadinsky´s Fähigkeit beschrieben, Farben und Klänge zu assoziieren, eine Hör- und visuelle Synesthesion(8). Das gleiche wird von dem Komponist Alexander Nikolajewitsch Skrjabin (1871/72 - 1915) behauptet. Der Komponist Schönberg (Arnold Schönberg /1874 - 1951) ein Freund Kandinskys, beschäftigte sich auch mit dieser Fächigkeit. Er versuchte Farben in musikalische Kompositionen zu beschreiben(*).
Außerdem beschäftigten Kandinsky schon während seines Studiums die Lehren von Fichte (Johann Gotlieb Fichte /1762 - 1814) und besonders von Schelling (Friedrich Wilhelm Schelling /1775 - 1854), der der Meinung war, die Kunst sei die höchste Form der Weltauffassung. Das Studium dieser Philosophen hat sich in seiner intellektuellen Kunst widergespiegelt, sie hat auch seinen weiteren Forschungsweg bestimmt.

Fest überzeugt davon, sich nur noch dem Malen zu widmen, siedelte er im Jahre 1897 nach München um. Hier nahm er am Privatunterricht in der Schule der Künste von Anton Aschbe. Später wurde er in die Münchener Akademie der Künste aufgenommen. Dort unterrichtete ihn Franz von Stuck /1863 - 1928). Aber kurz darauf fand er keine Befriedigung mehr am akademischen Zeichnen eines Menschenkörpers, der Landschaften oder Stillleben.

„Das Problem des Lebensraumes und der
Luftdichte hat nichts mit der „sauberen Kunst“
zu tun“ (10).

Zu diesem Beschluß kam er später.

Seine ganze Kraft konzentriert er mehr auf die inneren Werte des schöpferischen Prozesses, statt am Unterricht teilzunehmen. Deshalb galt er unter seinen Mitschülern als Faulenzer und unbegabter Student. Nachdem er eine gute künstlerische Vorbereitung bekommen hatte, beschloß er das Studium an der Akademie aufzugeben. Aber er behielt immer ein gutes Verhältnis zu seinen Lehrern.
Allmählich kam er zu der Erkenntnis, es sei an der Zeit seine schöpferischen Möglichkeiten in die Praxis umzusetzen. Er gründete im Jahre 1901 den Verein „Phalanx“ und begann in der gleichnamigen Kunstschule zu unterrichten. Zwei Jahre später zerstritt sich die Gruppe und teilte sich in drei verschiedene Lager auf. So beendete der Verein seine Existenz.

Teil 3.

Das philosophisch - ideologische Fundament
des Almanachs „Blauer Reiter“

Seit 1904 unternahm Kandinskij einige Reisen. Später sagte er: „Das war eine wahrhaftige Odyssee ohne Pause und Ziel“. Er besuchte Italien, Tunesien, Holland, Russland und andere Länder, um seine Ideen reifen zu lassen und um die Synthese seiner theoretischen Untersuchungen mit den praktischen Experimenten zu verbinden. Meines Erachtens sind die Reisen (1904 - 1908) für den Künstler prägend gewesen. In dieser Zeit versuchte er seinen eigenen Stil zu finden. Gleichzeitig versuchte er seine künstlerische Arbeit zu abstrahieren. Zu diesem Zeitpunkt entsteht sein erstes abstraktes Bild - ein kleines Aquarell. Im Jahre 1911 wurde seine theoretische Arbeit „Über das Geistige in der Kunst“ veröffentlicht. Erst in deutscher Sprache, danach in russisch. Die Publikation wurde ist auf dem allrussischen Kongress der Künstler von Nikolaj I. Kulbin vorgetragen. In diesem Buch versuchte Kandinskij einerseits, wie es auch Goethe in seiner Arbeit „Zur Lehre von Farben“, jeder Farbe eine bestimmte Charakteristik zu geben. Dabei verwendet er die musikalische Terminologie wie „Ton“, „Klang“, „Rhythmus“, „Takt“. Er schreibt darüber:

„Der musikalische Ton ist direkt zugänglich zu der
Seele. Er findet dort sofort einen Widerhall, da „der
Mensch in sich selbst die Musik hat“. Jedem ist es
bekannt, dass gelbe, orange und rote Farben in
einem Menschen das Gefühl der Freude und des
Wohlhabens hervorrufen (Delacroix)“. (12).

Andererseits kann man bei seinen Farbbestimmungen metaphysische und psychologische Einstellungen spüren:

„Eine Farbe lässt keine unendliche Ausdehnung
zu. Ein unendliches rot kann man sich nur
vorstellen oder geistig sehen. Wenn man das Wort
„rot“ ausspricht, so hat das Rot in unserer
Vorstellung eine unendliche Weite“. (13)

Und im Vorwort zu seinem Buch schreibt Kandinsky:

„Ich hatte vorgehabt ein grosses Buch zu
schreiben, dafür hätte man eine ganze Reihe
von Versuchen im Bereich der Gefühle
unternehmen müssen“

Aus diesem Zitat (es gibt mehrere Beispiele dafür) kann man erkennen, dass den Künstler nicht nur das Äußere an den malerischen Problemen interessiert. Er setzt die Traditionen des Zeichnens fort. Egal was es war, Hieroglyphen oder Piktogramme, volkskunstlerische Motive oder mystische Zeichen religiöser Kulte. Er sieht sich auf dem Weg als Priester, dem sich irgendwelche Geheimnisse des Daseins öffnenen. Ein Priester, der es versucht, den Zuschauer an den mystischen Geheimnissen der Geburt des Weltalls und dessen Tod teilhaben zu lassen. An dieser Stelle erinnert man sich an das Sichhinreißenlassen Kandinsky`s von den Ideen der Elena Blawatsky und R. Steiner 1861 - 1925), die Theosophie und Antroposophie propagandierten. Beide strebten an, die magische Kraft durch praktische Erfahrungen zu begründen.

Die meisten Forscher legen großen Wert auf den rein äußerlichen malerischen Stil Kandinsky`s, wobei sie sich nur mäßig mit der Erforschung der inneren, geistigen Beweggründe beschäftigen. Und das macht es einfach unmöglich, die schöpferische Philosophie des Malers zu begreifen. Jedes von seinen Werken wird dadurch nur zu einer ästhetischen Bewunderung.
Die Bildersammlung zum Almanach „Blauer Reiter“(1911) wurde von W. Kandinsky und Franz Marc /1880 - 1916/ gegründet und zusammengestellt. Allerdings sind die Bilder nicht immer direkt mit dem Text verbunden, sie stellen nur eine visuelle Atmosphäre dar. Wenn man die Bildersammlung zum Almanach „Blauer Reiter“ analysiert, kann man feststellen, dass die Künstler in ihrer Arbeit Objekte der religiösen Kultur Afrikas, amerikanischer Indianer, Kinderzeichnungen, russische und deutsche Folklore usw. verwendeten. Dabei wurden die Werke der Meister der klassischen Kunst vollkommen ignoriert. Damit wollten die W. Kandinsky und Franz Marc ein ganz bestimmtes Ziel erreichen und zwar die Rückkehr zu der Quelle der volkstümlichen Werke, die in sich die Vorausbestimmung der Kunst, die die Kinder- und Volkskunst auszeichnen, beinhalten. Eine Kunst der feinen Gefühle und der reinen Intuition, die noch nicht von der Logik und der Erkenntnis bearbeitet wurde. Auf dem Niveau der religiösen Rituale eines Urmenschen, der Ekstase eines Schamanen, der in seinem Inneren den Weg zum höchsten Bewusstsein sucht.
Beim tieferen Einblick kann man eine gemeinsame Wurzel bei der Kunst und der Zeit ihrer Entstehung sehen. Und so wird klar, woher der Ursprung der Begeisterung stammt und all das, worüber ich vorher gesprochen habe, eine gemeinsame Wurzel hat.Im Almanach wird auch die Kunst Auseinandersetzung mit der Gedanken- und Gefühlwelt.
Der Basten (der primitiven Hintertreppenkunst) vorgestellt - eine Kunstart, die besonders stark im XIX Jahrhundert in Rißland zum Aufblühen kam. märchenhafte, alltägliche Szenen oder auch Szenen aus der Geschichte gezeigt. Das war eine Art volkstümlicher Kunst, die parallel zu der westeuropäisch orientierten weltlichen, städtischen, akademischen Schule existierte. Eine Kunst, die den Bedürfnissen des einfachen Volkes der russischen Provinz entsprach.
An der Stelle ist es sinnvoll, sich daran zu erinnern, dass Wassily Kandinsky im Jahre 1889 zum Leiter der ethnographischen Forschungsexpedition vom „Verein für Naturforschung, Ethnologie und Anthropologie“ ernannt wurde. Er reiste in die Provinz Wologodskaja im Norden Rußlands mit dem Auftrag, Material über die Gewohnheiten der Ureinwohner und deren übriggebliebenen nicht christlichen Glauben ZYRJAN (heute KOMI) zu sammeln. Zu diesem Zeitpunkt waren die meisten KOMI schon zum orthodoxen Glauben bekehrt worden. Aber die, die noch Nomaden waren, z. B. Renntierzüchter, haben ihren Glauben bewahrt und ihre schamanischen Rituale durchgeführt. Alles was er sah, die Holzbaukunst des russischen Nordens, bunt bemalte und geschmückte Häuser und Möbel, Baumrinden mit symbolischen Recken-und Schlachtenszenen - faszinierte Kandinsky. Er betrachtete es wie eine prächtige Malerei. Er sagte darüber:

„Da habe ich gelernt, ein Gemälde nicht von der
Seite zu sehen, sondern mich selbst in das
Gemälde zu versetzen, mit ihm zu leben“.

Das Almanach enthält auch Kinderzeichnung. Die Veröffentlichungen fallen in eine Zeit, in der Kinderzeichnung in Rußland von allgemeinem Interesse waren. So wurden in der Zeit von 1911 bis 1913 in Russland von Seiten des Geographischen Forschungsvereins einige archeographische Expeditionen durchgeführt, die sich mit dem mysthischen Charakter von Kinderzeichnungen in Rußland befassten. Zu diesem Zweck wurde sogar ein Fragebogen zusammenstellt, in dem unter anderem die Frage vorkam: „Wie stellen sie sich eine Wassernymphe, einen Waldgeist und einen Haus- (Polter-) Geist vor?“. Die Kinder wurden gebeten, ihre Vorstellungen im Bild festzuhalten. In Tartu (Estland) werden bis heute noch die Ergebnisse der Umfrage aufbewahrt. Es sind ca. 7 000 Kinderzeichnung.

Teil 4.

Kandinsky und die Politik

Nach der Oktoberrevolution entwickelte sich die Beziehung der europäischen Staaten zu Russland negativ. In der öffentlichen Meinung war Russland ein Land potenzieller Revolutionäre. Als die Bolschewiken zur Macht kamen wurden die so erfolgreich begonnenen Forschungen in der Kunstwelt unterbrochen. Alle Künstler, die auf irgendeine Weise innovativ waren, sind ausgewandert, kamen im GULAG um oder gerieten in Vergessenheit.
Obwohl Kandinsky immer wieder betonte, er halte sich fern von der Politik (so z. B. während des Treffens mit Herrn Tatlin in Moskau), kann man dies auch als Mißtrauen und Skepsis gegenüber jeder Macht bezeichnen. Erinnern wir uns nur an das Schicksal seiner Verwandten väterlicherseits. Außerdem, war Verwandte und Freunde unter der russischen Aristokratie hatte, die von der neuen Staatsmacht auf grausamste Art vernichtet wurden, konnte dem Schicksal Rußlands nicht gleichgültig gegenüberstehen!
In der Sowjetunion, bis nach ihrem Zerfall, lag auf den Werken Kandinskys ein Tabu. Und im Westen war er ein exotisches russisches Künstlerphänomen. Aus diesem Grund blieben seine Werke bis heute unerforscht. Ich bin der Meinung, um Kandinsky und seinem Werk gerecht zu werden, müßte man beides noch einmal aus heutiger Sicht einer komplexen Betrachtung unterziehen. Um sie zu verstehen, müßte man auch weiterhin sie vielseitig wissenschaftlich untersuchen.

(*) Dia- und Audio- „Show“
Empirische (vom griechischen empiria - Experiment), eine Richtung in der Philosophie, die die sinnlichen Erfahrungen als einzige Quelle des wahrhaftigen Wissens anekannten.
Klod Levi - Stros. Strukturelle Anthropologie. M. 1985
Transcedental (vom lat. transcendens, transcendentis - der Grenzüberschreitender) - in der Philosophie von Kant eine Erkenntnisform, die die Experimentlehre organisiert.
Kant. Die Kritik der reinen Vernunft. Übers. von N. O. Losskij. M. Mysl 1994 S. 117
Kandinsky W. W. Niveau. Text des Künstlers: M., 1918
Auch dort.
Auch dort.
Synesthesie (vom griechischen syn = gemeinsam + aisthesis = zur Wahrnehmung) - die künstlerische Synesthesie beruht auf der universellen Eigenschaft des Menschen zur Hör-und Sehe Assozionen, die die Kompliziertheiten der eventuellen Verhältnissen zwischen dem was man sieht und dem was man hört im Zusammenhang mit der Gegenwart darstellt.
Absolut nach Schilling heißt eine nicht differenzierte Identität der Natur und der Seele. Des Subjekts und Objekts. Die Selbsterkennung erfolgt durch die Selbstteilung und Selbstentwicklung des Absolutes. Die Quelle des Bösen ist die frei Trennung des Menschen vom Absolut. Die Voraussetzung dafür liegen, so Schilling gleich nach Jakob Bömes Meinung, im Vorhandensein „unwissender Grundkenntnisse“ über Gott.
Kandinsky W. W. Über das seelische in der Kunst (Malerei). L., 1990
Nina Kandinsky. Kandinsky und ich. Kindler Verlag GmbH. München. 1976
Kandinsky W. W. Über das seelische in der Kunst (Malerei). L., 1990
Auch dort.
Auch dort und weiter:

„Die zwei Arten von Ähnlichkeiten zwischen der neuen Kunst und der Formen der früheren Perioden sind diametral entgegensetzt. Das sieht man auf den ersten Blick.
Die erste Art - äußere Eigenschaften und deshalb hat sie keine Zukunft.
Die zweite Art - innere Eigenschaften und deshalb ist in ihr ein Keim der Zukunft verborgen. Nach der Periode der materialistischer Verführung, die anscheinend die Seele erobert hat...wird die Seele durch den Kampf und das Leid verfeinert wiedergeboren.

Museum für Heimatkunde. Stadt Workuta.
Kandinsky W. W. Niveau. Text des Künstlers: M., 1918

WASSILY KANDINSKY: 1866-1944
Leben und Werk

Am 4. Dezember wird Wassily Kandinsky in Moskau in der Familie eines
Teehändlers geboren.

Übersiedelung der Familie nach Odessa. Scheidung der Eltern. Kandinskys Tante
kümmert sich um seine Erziehung.

1876 - 1885 Erhält ersten Zeichen- und Musikunterricht; Besuch des humanistischen
Gymnasiums in Odessa.
Beginnt das Studium der Rechte und der Volkswirtschaft an der Universität Moskau.

Unternimmt im Rahmen eines Forschungsprogramms der „Gesellschaft für
Naturwissenschaften, Ethnographie und Anthropologie“ eine Expedition nach
Wologda. Nachhaltig beeindruckt von der kraftvollen Volkskunst Nordrußlands.

Beendet sein Universitäts-studium mit juristischen Staatsexamen. Heiratet seine
Kusine Anja Tschimiakin.

Wird Assistent an der Universität Moskau. Dissertation „Über der Gesetzmäßigkeit
der Arbeiter- löhne“.

Arbeitet als künstlerischer Leiter der Druckerei Kutscherew in Moskau.

Lehnt einen Ruf an die Universität von Dorpat ab, um sich dem Studium der Malerei
zu widmen. Übersiedelung nach München und Beginn des Kunststudiums in der
Malschule von Azbè.

Lernt bei Azbé die Maler Alexsej Jawlensky und Marianne von Werefkin kennen.
Besucht die Ausstellung der „Münchner Sezession“, beschäftigt sich mit
dem Jugendstil.
Bemüht sich erfolglos um Aufnahme an der Kunstakademie bei Franz von Stuck;
arbeitet selbständig weiter.

1900 Studiert bei Franz von Stuck an der Münchener Kunstakademie.
Zur gleichen Zeit ist Paul Klee bei Stuck. In Februar zeigt seine Arbeiten in Moskau
auf der Ausstellung der „Moskauer Künstlervereinigung“.

Gründet im Mai zusammen mit Rolf Niczky, Waldemar Hecker, Gustav Freytag und
Wilhelm Hüsgen die Ausstellungs- und Künstlervereinigung „Phalanx“, wird zum
Präsidenten der Vereinigung gewählt. Im Winter öffnet die „Phalanx- Malschule“, die
Kandinsky leitet.

Lernt die Malschülerin Gabriele Münter kennen. Zweite Ausstellung der „Phalanx“.
Stellt in der Berliner „Sezession“ aus. Dritte Phalanx - Ausstellung mit Werken von
Lovis Corinth und Wilhelm Trübner. Verbringt einen Teil des Sommers mit seiner
Malklasse in Kochel.

Zeigt in der siebten „Phalanx - Ausstellung“ Bilder von Claude Monet. Nach der
Schließung der „Phalanx - Malschule“ erhält Kandinsky von Peter Behrens das
Angebot, eine Klasse für dekorative Malerei an der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule
zu leiten, das er ablehnt.

In der neunten „Phalanx - Ausstellung“, die Alfred Kubin gewidmet ist, stellt
Kandinsky selbst farbige Zeichnungen und Holzschnitte aus.
15 seiner Werke werden in der Moskauer „Kunstvereinigung“ gezeigt. Arbeitet
an einer Farbentheorie. Trennt sich im September von seiner Frau; unternimmt wieder
zahlreiche Städtereisen mit Münter. Seit Holzschnittalbum „Gedichte ohne Worte“
erscheint in Moskau.
Erste Ausstellung im „Salon d´Automne“ in Paris, in dem er bis 1910 järlich
teilnimmt. Im Dezember findet die zwölfte und letzte Ausstellung der „Phalanx“ statt.

Nimmt an der Ausstellung der Moskauer „Künstlervereinigung“ teil. Wird Mitglied
des „Deutschen Künstlerbundes“. Stellt im „Salon des Indépendants“ in Paris aus.

Fährt mit Münter nach Paris, wo sie bis Ende des Jahres wohnen. Stellt in zahlreichen
Ausstellungen aus, wie im „Herbstsalon“ von Paris, mit den Künstlern der „Brücke“ in
Dresden und der „Sezession“ in Berlin.

Zeigt 109 arbeiten im „Musée du Peuple“ von Angers.
Lebt mit Münter von September 1907 bis April 1908 in Berlin.

Ausstellung von März bis Mai im „Salon des Indépendants“ von Paris. Von Mitte August bis Ende September arbeiten Kandinsky, Münter, Jawlensky und Werefkin in Murnau. Stellt im „Herbstsalon“ von Paris und in Berliner „Sezession“ aus.

Am 22. Januar Gründung der „Neuen Künstlervereinigung München“. Die erste
Ausstellung findet vom 1.-15. Dezember in der „Modernen Galerie Thannhauser“
München statt. Er beginnt an der Bühnenkomposition „Der Gelbe Klang“ zu arbeiten.
In Paris gibt er den Band „Xylographien“ heraus; stellt im „Salon des Indépendants“
aus. Erste Hinterglasbilder, angeregt von der bayerischen Kunsttradition. Erste
„Improvisationen“.

„Komposition I“. Arbeitet von Februar bis März wieder in Murnau. Während der
zweiten Ausstellung der „Neuen Künstlervereinigung“ (1.-14. September in der Neuen
Galerie Thannhauser) lernt er Franz Marc kennen.
Vom 14. Oktober bis zum Ende des Jahres hält sich Kandinsky in Rußland auf; stellt
52 Arbeiten im „Internationalen Salon“ Odessa aus; nimmt an der von Larionow
organisierten Ausstellung „Karo Bube“ teil.

Briefwechsel mit Schönberg. Am 10. Januar Rücktritt vom Vorsitz der NKVM.
Beteiligt sich mit Marc und anderen an der Publikation „Im Kampf um die Kunst“ als
Antwort auf Carl Vinnens Pamphlet „Protest deutscher Künstler“. Erste Pläne für den
Almanach „Der Blaue Reiter“. Bei der Vorbereitung zur dritten Ausstellung der
„Neuen Künstlervereinigung“ lehnt die Jury am 2. Dezember Kandinskys
„Komposition V“ ab; Kanndinsky, Marc und Münter treten aus.
Scheidung von seiner Frau. Am 18. Dezember Eröffnung der ersten Ausstellung „Der
Blaue Reiter“ in der Modernen Galerie Thannhauser.
Bei Piper in München erscheint die Schrift „Über das Geistige in der Kunst“.

Zweite Ausstellung „Der blaue Reiter“ in der Galerie Hans Goltz in München (12.
Februar - April, nur graphische Arbeiten). Im Mai erscheint der Almanach „Der Blaue
Reiter“. Kandinsky nimmt an zahlreichen Ausstellungen teil.
Im Oktober erste Einzelausstellung in der Galerie „Der Sturm“ in Berlin und im
November in Rotterdam. Von Mitte Oktober - Mitte Dezember Aufenthalt in
Rußland; Teilnahme an verschiedenen Ausstellungen, so an „Karo Bube“ in Moskau
und „Zeitgenössische Malerei“ in Jekaterinodar.

1913 „Komposition VI“ und „Komposition VII“ entstehen. Teilnahme an der „Armory
Show“ in New York. Enge Kontakte zu Herwarth Walden; Aufsatz „Malerei als reine
Kunst“ erscheint in der Zeitschrift „Der Sturm“; seine „Rückblicke“ im Album
„Kandinsky 1901 - 1903“, Ausstellungsbeteiligung im „Sturm“ sowie im „Ersten
deutschen Herbstsalon“. Bei Piper erscheinen seine Prosagedichte „Klänge“.

Einzelausstellung in der Modernen Galerie Thannhauser in München und im „Kreis
für Kunst“ in Köln. Arbeit an vier großen Gemälden für die Villa von Edwin
A.Campbell in New York. Am 1.August Ausbruch des Ersten Weltkrieges; am
3.August Flucht in die Schweiz zusammen mit Gabriele Münter.
Kandinsky schreibt die Bühnenkomposition „Violetter Vorhang“. Am 25.November
Abreise aus Zürich über den Balkan nach Rußland; läßt sich in Moskau nieder.

1915/16 Im Winter letztes Treffen mit Münter in Stockholm.
Am 11.Februar Heirat mit Nina Andreewsky, Tochter eines Generals.
Hochzeitsreise nach Finnland. Geburt des Sohns Vsevolod, der 1920 stirbt.

Mitbegründer eines neuen Modells der russischen Kunstszene; wird Mitglied in dem
von Tatlin geleiteten Moskauer Künstlerkollegium (später Abteilung für Bildende
Kunst des Volkskommissariats IZONARKOMPROS) und verteidigt die Position einer
„absoluten Kunst“.

Ab Juni Direktor des „Museums für Malkultur“ in Moskau (bis Januar 1921), im
November Vorsitz der Gesamtrussischen Ankaufs-kommission für Museen des
Kommissariats für Volksbildung (IZONARKOMPROS).
Anfang Dezember werden auf der Ersten Staatlichen Ausstellung in Moskau neben
Arbeiten anderer russischer Künstler die Bilder Kandinskys, Kasimir Malewittschs
und El Lissitzkys gezeigt.

Mitgründer des „INChUK“ (Institut für künstlerische Kultur); vom Herbst an
Werkstattleiter an den „SUOMAS“ (Staatliche Künstlerisch - Technische
Werkstätten). Ausstellung von 54 Arbeiten in der XIX. Ausstellung des
Gesamtrussischen Zentralen Ausstellungskomitees in Moskau.
Im Herbst Verschärfung des Konflikts mit Rodtschenko. Zu Beginn des Jahres 1921
verläßt Kandinsky das INChUK und die Werkstätten für Monumentale Malerei.

Mitarbeit bei der Organisation der RAChN, der russischen Akademie der
Kunstwissenschaften, Leitung der physisch - psychologischen Abteilung; wird zum
Vizepräsidenten gewählt. Leitet dort die Werkstaat für Reproduktionen.
Im Dezember 1921 Rückkehr nach Deutschland.

Im Juni Umzug nach Weimar und Aufnahme der Tätigkeit am Bauhaus.
Veröffentlichung einer Mappe graphischer Arbeiten „Kleine Welten“ am Bauhaus in
Weimar. Wandgemälde für die Juryfreie Kunstausstellung in Berlin.
Kandinskys Arbeiten werden auf der „Ersten Russischen Kunstausstellung“ in der
Galerie van Diemen in Berlin gezeigt.
Erste Einzelausstellung in New York in der „Société Anonyme“ (K.Dreier und
M.Duchamp).
Klee, Kandinsky, Jawlensky und Feiniger schließen sich zu der Gruppe „Die Blaue
Vier“ zusammen. Ausstellungen ffür die Gruppe in den USA.
Umzug des Bauhauses nach Dessau. Gründung der Kandinsky - Gesellschaft.

In München erscheint Kandinskys zweite wichtige theoretische Arbeit „Punkt und
Linie zu Fläche“. Die erste Nummer des Zeitschrift „Bauhaus“ ist Kandinsky zum
60.Geburtstag gewidmet. Aus Anlaß dieses Jubiläums Retrospektive seines Werkes in
verschiedenen deutschen und europäischen Städten.

Freie Malklasse am Bauhaus.
Im Sommer Aufenthalt mit Schönberg und seiner Frau am Wörthersee in Österreich.

Im März Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit. Bühnenspiel zu Mussorgskys
„Bilder einer Ausstellung“ im Friedrich - Theater in Dessau.
Erste Einzelausstellung von Aquarellen und Zeichnungen in Paris in der Galerie Zack.

Reisen nach Paris und Italien. Kontakte zu Künstlergruppe „Cercle et Carré“ in Paris
und Teilnahme an der gleichnamigen Ausstellung.
P.Schultze-Naumburg entfernt die Arbeiten von Kandinsky, Klee und Schlemmer aus
dem Museum in Weimar.

Umzug des Bauhauses nach Berlin.
Im Juli endgültige Schießung des Bauhauses. Ende Dezember Übersiedelung nach
Frankreich.

Kontakt zur Gruppe „Abstraction-Création“; Ausstellung in der „Galerie des Cahiers
d´Art“. Begegnung mit Constantin Brancusi, Robert und Sonja Delaunay, Fernand
Léger, Joan Miró, Piet Mondrian, Antoine Pevsner, Hans Arp und Alberto Magnelli.

Teilnahme an den Ausstellungen „Abstract and Concrete“ (London) und „Cubism and
Abstract Art“ in New York.

Kandinsky-Bilder werden in der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt; 57 seiner
Werke werden in deutschen Museen beschlagnahmt.

Teilnahme an der Ausstellung „Abstracte Kunst“ im Stedelijk Museum in Amsterdam;
für den Katalog schreibt er den Artikel „Abstract or Concrete“.

Kandinsky und seine Frau erwerben die französische Staatsbürgerschaft. Beendet
seine letzte große „Komposition X“.

Die letzte Ausstellung zu Lebzeiten findet in der Galerie L´Esquisse in Paris statt.
Kandinsky stirbt am 13.Dezember in Neuilly-sur-Seine im Alter von 78 Jahren an
Arteriosklerose.




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